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Vorgeplänkel


Eusebio legte seine Gabel auf den Tisch, schluckte den letzten Bissen Lachs herunter und setzte eine geschäftliche Mine auf. Bueno, Arnulfo, gab er mir zu verstehen, wenn wir dir einen Wagen durch Kuba stellen sollen, muss dein Verlag uns 500 Freiexemplare deines Kuba-Reiseführers überlassen.
Fast hätte ich mich verschluckt.
Draußen regnete es in Strömen. Schauplatz unseres mäßigen Fischessens war kein Restaurant auf Kuba, leider nicht, sondern eines in Frankfurt a. M. und Eusebio war der offizielle Tourismus-Vertreter Kubas dort.  Er war mir wenig sympathisch, wirkte mürrisch. So einen Kubaner hatte ich noch nie kennen gelernt. Aber vielleicht litt er ja unter Heimweh und der Regen in Frankfurt war zu kalt.
500 Exemplare? quetschte ich hervor.
Ich versuchte kurz die Kosten  zu überschlagen. - Unmöglich! Würde der Verlag nie machen. Lächerlich, man würde sich totlachen. Ich sah schon meine Felle davon schwimmen. Es war mein erster Reiseführer und ich war Feuer und Flamme – und jetzt das! Zwar war ich schon  zwei Mal auf Kuba gewesen, aber eine Rundreise im PKW, vielleicht kostenlos, war damals nicht so einfach möglich. Damals – im Sommer 1983.
Eusebio nickte und knüllte bedächtig seine Serviette zusammen. In mir kam leise Wut hoch, ich zwang mich aber zu einem Lächeln: Morgen rufe ich beim Verlag an. Eusebio antwortete nicht, stand auf und verabschiedete sich erstaunlich höflich, wenn auch leicht grinsend.
Damit war die „Verhandlung“ beendet. Eusebios Fisch musste ich zahlen.


Nach dem Essen saß ich da, einer leichten Depression nahe. Ein doppelter Cognac half. Das Grinsen von Eusebio wurde zum Lächeln, seine mürrische Art hatte sicher einen Grund. Der arme Mensch! In einem fremden Land! Der Regen!! Er musste sich sicher beweisen, was er für ein harter Kerl er war – sicher auch gegenüber seinen Vorgesetzten in La Habana.
Da kam mir der rettende Gedanke: Vorgesetzte – La Habana - die staatliche Tourismus-Organisation auf Kuba. Ihre Existenz war mir zwar bekannt, aber ich hatte keine Gedanken darauf verschwendet. Der Tourismus-Vertreter, Eusebio, saß ja in Frankfurt, sprach recht gutes Deutsch. Ich hatte gedacht, es wäre einfach - bis zu diesem Lachsessen.
Jetzt kratze ich all mein Spanisch zusammen, das ich vorher auf einer einjährigen Lateinamerikareise aufgeschnappt hatte, und schrieb nach Havanna. Die Antwort aus La Habana kam eher als ich dachte. Nicht der kleinste Hinweis auf Eusebio - und ja, ich sollte gleich nach meiner Landung auf Kuba im Instituto Nacional de Turismo in La Habana vorsprechen. Zur Klärung der Details. Compañero Roberto würde mich am Flughafen von La Habana abholen. Compañero bedeutet auf Kuba Genosse, Männer reden sich oft so an, Frauen mit compañera. Eine Frau hatte den Brief unterschrieben und ich hätte sie küssen können. Bingo! Das war erst einmal geschafft!
Hatte Eusebio gepokert? Auf eigene Faust? Ich habe es nie erfahren. Ich sah und hörte auch nichts mehr von ihm. Das kostenlose Taxi durch Kuba hatte ich wohl in der Tasche. Mal sehen. Das Nähere würde ich mit der sicher netten revolutionären Dame „unter Palmen“ klären.

 

Hochprozentiger Flug und warme Landung

Über weißen Wolken - eingezwängt in eine Sitzreihe der Aeroflot-Maschine, noch eine Stunde bis zur Landung auf Kuba – kam keine rechte Vorfreude auf. Seit dem Abflug vom Flughafen Berlin-Schönefeld, dann Zwischenstopp in Gander, Kanada, waren rund zehn zähe Stunden vergangen und meine langen Beine nahmen mir die Faltstellung sehr übel. Das Essen war passable Mensa-Qualität und ein kleiner kubanischer Rum wirkte wie ein großer wegen der Flughöhe. Meine Stimmung hellte etwas auf.
Die fröhliche Gruppe Russen in der Reihe vor mir hielt nichts von Rum, schon gar nichts von Gläsern, die tranken Wodka gleich aus der Flasche. Ab und zu tastete sich einer von ihnen mit gar nicht so fröhlichem Gesicht den Mittelgang entlang zur Toilette. Dem Kubaner rechts von mir war das offensichtlich etwas peinlich, er steckte seine Nase tief in eine Zeitung und schaute nur ab und zu über den Zeitungsrand auf die heiteren Russen. Als ich die kreisende Wodkaflasche der großzügigen Russen dankend ablehnte – dem Kubaner boten sie nichts an, was mich erstaunte -, wurde ich ihm wohl sympathisch und er begann in hohem Tempo auf mich einzureden.
Sprachschock! - Ich hielt mein Spanisch für ganz gut, aber jetzt verstand ich fast gar nichts. Wie würde die „Verhandlung“ im kubanischen Instituto de Turismo ablaufen, wenn ich so wenig verstand? Aber vielleicht war ja mein Reiseführer über Kuba, wohl der erste in der BRD, gar nicht so unwichtig für Kubas Drang nach westlichen Touristen und Devisen. Quién sabe! – Wer weiß.
Endlich – glatte Landung La Habana Airport, Stadtteil Boyeros – dann der erste Schritt auf die „tropische“ Gangway. Das Gefühl kannte ich zwar, es ist aber immer wieder etwas beklemmend und wohlig zugleich, wie Eintauchen in eine Riesensauna. Hohe Luftfeuchtigkeit, sehr warm - die Russen aber ausdauernd heiter, schwatzend, doch mit stetem Schritt  nach all den Wodkas. Sie würden wohl bald auf Rum umsatteln müssen, um ihre gegen Zucker gelieferten Traktoren zu reparieren. Einige sah ich später tatsächlich, in der Nähe des Hafens, fein aufgereiht, doch der Rost platzte schon durch die Farbe. Die tropische, salzige Feuchtigkeit nagte an ihnen.
Nun Gruppen-Marsch über den Flughafen-Beton, feucht und pfützig nach einem warmen Tropenregen, zum Empfangsgebäude, dort sofortige Kühle, ja Kälte aus den riesigen und laut ratternden seitlichen Air-conditioning-Schränken. Während das Gepäck geduldig auf den Transportbändern vorbeizieht und die Russen lautstark und feixend nach ihren abgewetzten Koffern greifen, halte ich mit dem einen Auge Ausschau nach meinem Gepäck. Mit dem anderen nach „Compañero“ Roberto jenseits der Schranke. Er sollte an einem gelben Schild zu erkenne sein. Aber nichts! Kein Robert? Und was nun?
Erst als ich mich anschicke, bei der Gepäckkontrolle meine Reisetasche zu öffnen, erscheint ein etwa 30-jähriger Mann, stämmig, lächelnd, wedelt mit einem Ausweis. - Es ist Roberto.
Hola, qué tal, grüße ich ihn erleichtert.
Willkommen auf Kuba, sagt Roberto -  fast akzentfrei.
Meine Sprach-Befürchtungen sind verschwunden. Er kann wohl leidlich Deutsch, ich leidlich Spanisch. - Das würde wohl klappen – im Instituto de Turismo und Auge in Auge mit der zuständigen Dame dort.

 

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